Quelle: Südkurier vom 07.Janur 2004

"Manege frei" beim zehnten Dreikönigskonzert des Musikvereins Gottmadigen mit Dirigent Markus Augenstein

Das Dreikönigskonzert des Musikvereins Gottmadingen in der vollen Eichendorffhalle war diesmal ein ganz besonderer Höhepunkt. Dirigent Markus Augenstein verstand es bei seinem zehnten Konzert, mit schwierigen, aber gleichzeitig gefälligen Stücken aus der Zirkuswelt, konzertante Blasmusik auf hohem Niveau mit der Gunst des Publikums zu vereinen. Der Musikverein Gottmadingen hat mit diesem wohl schönsten Dreikönigskonzert überhaupt gezeigt, dass er im Blasmusikverband Hegau-Bodensee ganz vorne dabei ist.

 

 

Trotz knochenharter Probenarbeit ab September im Probelokal und zu Hause begleiteten die 60 Musiker und Musikerinnen "ihren" Dirigenten mit Begeisterung auf seinen Höhenflügen. Das mitgehende Publikum war von diesen ausgereiften Zirkusnummern der Clowns, Seiltänzer, Trapezartisten, Schlangenmenschen, Magiere, Pferde, Elefanten, bis hin zum "Schwarzbär mit dem roten Fahrrad" hingerissen. Selbst extreme musikalische Anforderungen, wie sie die "Wind-Odyssey" von Derek Bourgeois mit Kraft und Eleganz erforderte, wurden perfekt rübergebracht.

 

"Vorhang auf - Mange frei" mit diesem Startsignal beginnt der "Einmarsch der Artisten" mit der "Circus Suite" von Frigyes Hidas mit kleinen, den Artistengruppen gewidmeten Einzelteilen und Soli von Dieter Faller und Michael Rudolf (Trompete). Die Clowns sind mit ihren ausgelassenen Späßen dabei, unterstrichen von dem einen und anderen Solo, bis dann das gesamte Register die Eintracht wieder herstellt. Die grazilen und kühnen Schritte und Sprünge in schwindelnder Höhe auf dem Hochseil werden mit unglaublich schönen Passagen umgesetzt, vorneweg die Bariton-Solisten Thomas Schleicher und Fritz Rudolf (mit 71 Jahren eine Höchstleistung), sowie Peter Gassner an der Tuba. Staunen und momentane Atemlosigkeit wenn sich in der "Wind-Odyssey" die Artisten mit Drehungen und Überschlägen in die Zirkuskuppel schwingen. Temporeich geht die Musikkapelle mit; exakt auf die entsprechende Choreographie abgestimmt bietet sie Momentaufnahmen von hoher Kraft und Harmonie.

 

Das Holzregister ist besonders gefragt bei der Overtüre "Harlequin". Franco Cesarini hat die Weißclown-Nummer 1995 geschrieben mit einem gefühlvollen, feinsinnigen Teil, ja auch einer Portion Schwermut. Der zweite Teil wurde mit "Circus Mosaics" von Marcel Peeters eröffnet, der seiner Zirkusmusik jedem Programmpunkt seine typische Erkennungsmelodie zugewiesen hat. Das Orchester folgt seinen Pfaden; große Momente für die Flöten und Carmen Höliner (Oboe), Volker Befurt (Trompete) und Bassklarinette von Mario Franke (neuer Dirigent des Musikvereins Bietingen).

 

Espana (Rhapsodie 1883) - spanische Impressionen" von Emanuel Charbier wird zu einer romantischen Farbenvielfalt mit dem Hintergrund einer Vogeldressur. Ein Abstecher in den "Jazzclub" von Michael Jonasz (zusammen mit den Elefanten) bietet mit "Intermezzo" viel Spass. "Geschwindigkeit ist keine Hexerei", das unterstreichen die Zauberkünste "Wave" von Antonio Carlos Jobim mit "Der Magier" und das Bariton-Solo spielte perfekt der jüngste Musiker, Markus Schemrosczyk mit 16 Jahren. Mit "Voyager" von Tokiko Tsunoda noch einmal solistische Feuerwerke mit Dieter Faller (Trompete) und Susanne Haus (Sopransaxophon). Zugaben wurden gespielt mit der "Achterbahn" und Schreien der Musiker bei den höchsten Spannungspunkten sowie der Finalmarsch von "Circus Mosaics".